Interview mit Peter Lundershausen: „Das Gerede über den Generationenkonflikt ist weit überzogen“

Peter Lundershausen

Peter Lundershausen ist Vorsitzender im Seniorenbeirat in Neubrandenburg. Im Interview  spricht er über Interessenkonflikte zwischen den Generationen, Altersdiskriminierung und politischer Beteiligung in den Kommunen, die Jung und Alt zusammenbringen kann.

 

Welche Themen würden Sie bei Projekt Generationen im Gespräch einbringen?

Vor allem ohne eine Rhetorik des Generationenkonflikts. Das Gerede über den Generationenkonflikt ist weit überzogen, es gibt ihn nicht und es wird ihn auch nicht geben. Was es gibt, ist ein Interessenkonflikt. Aber Konflikte lassen sich nur dauerhaft überwinden, wenn die Rechte und Bedürfnisse aller Bevölkerungsgruppen berücksichtigt werden.

Das eigentliche Problem ist die mangelnde Kommunikation und fehlende Offenheit. Wer lernt, sachlich Probleme miteinander zu lösen, der kann auch harmonisch miteinander leben. Für mich ist deshalb der Dialog der Generationen ausgesprochen wichtig. Wichtig ist es, den Jugendlichen eine Perspektive zu geben. Persönlich sehen sie relativ optimistisch in die Zukunft, was die gesellschaftliche Entwicklung angeht, aber eher weniger.

Es kann nicht sein, dass insbesondere auch durch die Presse Alt gegen Jung ausgespielt werden und unter dem Deckmantel des besonderen Schutzes versucht wird, die ältere Generation ins Abseits zustellen. Die Altersdiskriminierung fängt an bei der Fahrtauglichkeit, geht über die Gesundheitspolitik bis hin zu sozialen und Rentenfragen. Die sozialen Bindungen zwischen Jung und Alt pflegen und die gemeinsamen Interessen betonen, auch dadurch, indem man räumliche Trennung oder soziale Segregation möglichst vermeidet.

Haben Sie schon eine Idee, welche Art von generationenübergreifenden Projekten Sie in Neubrandenburg gern gemeinsam mit anderen Teilnehmer*innen umsetzen würden?

Neubrandenburg ist die drittgrößte Stadt in Mecklenburg-Vorpommern.

Der SBNB sieht in dem viel diskutierten demografischen Wandel vor allem Möglichkeiten der Gestaltung. Die wachsende Gruppe der Älteren bietet Chancen für positive Entwicklungen und Herausforderungen, wenn sie sich als Bestandteil einer Teilhabekultur und -atmosphäre in der Kommune empfinden kann. Unsere Bemühungen sind 2020 auf eine Verbesserung der Arbeit in den Stadtteilarbeitskreisen gerichtet.

Was werden Sie der jeweils anderen Generation bei  Generationen im Gespräch sagen?

Der demografische Wandel ist nicht zu leugnen. Was dabei ein kommunaler Seniorenbeirat als unabhängiger Mitgestalter kommunalpolitischer Prozesse auf die Beine stellen kann, reicht von kleinen Anregungen zur Barrierefreiheit bis hin zu erfolgreich etablierten Veranstaltungsreihen, dient aber auch zur Meinungsbildung zwischen Jung und Alt zu aktuellen Themen wie etwa dem Klimawandel, dem Wohnungsbau, dem Thema Einsamkeit, aber auch der persönlichen Vorsorge (Betreuungsvollmacht, Patientenverfügung etc.)

 

Peter Lundershausen